Reisen in Corona Zeiten

  • Erstellt am 25.02.2021 08:28
  • Veröffentlicht am 25.02.2021 08:28
  • Von Rico

Was ist beim Reisen in Corona Zeiten zu beachten? 

 

Interview Rico - Studisurf 

 

Reisen auf die Kanaren in der Corona-Zeit 

 

Das Thema Reisen ist derzeit eine moralische Gratwanderung, Doch auch an der Tourismusbranche hängt sowohl innerhalb Deutschlands als auch in unseren Nachbarländern besonders eins: die Existenz kleiner Unternehmen, die auf Reisende und Surfer angewiesen sind. 

 

Aufgrund der Corona-Krise melden immer mehr Unternehmen Insolvenz an. Nicht nur in Deutschland bleibt die Unterstützung für die Tourismusbranche teilweise aus. Unsere Nachbarländer, die sonst in den Küstenregionen oft vom Surftourismus leben und über’s Jahr kommen, haben ein schlechteres Sozialsystem als wir hier in Deutschland. Surfschulen, Cafés, Restaurants und Unterkünfte bleiben unbesucht, sie können sich den Wegfall der Einnahmen schlicht und ergreifend nicht leisten und wissen nicht wie sie ihre Familien weiterhin unterhalten sollen. 

 

 

Rico, der Gründer von Studisurf, hat eine mittelmäßige Sommersaison 2020 zu verzeichnen. Zwar sind die Buchungen für Surfcamps nicht völlig ausgeblieben, doch die Perspektive für ein weiteres Coronajahr ist als Inhaber in der Tourismusbranche derzeit äußert schwierig abzusehen. Das Studisurf-Team ist sich des Konflikts also bewusst, der bestimmt gerade im Kopf eines jeden Surfenden kreist: Reisen und die Branche unterstützen, natürlich unter allen Sicherheitsbedingungen, oder lieber komplett zu Hause bleiben?

Wir wagen heute den Spagat zwischen diesen beiden Extremen und verzichten dabei auf „richtig“ oder „falsch“. Natürlich ist das eine sehr persönliche Entscheidung, aber solltest du dich dafür entscheiden, den Wellen hinterher zu reisen und möchtest das möglichst achtsam, bedacht und vorsichtig tun, haben wir hier einen kleinen Guide für dich.

Rico war im Januar auf den Kanaren und beantwortet heute ein paar Fragen zum Reisen in Coronazeiten. Welche Orte bieten sich an und sind besonders unterstützenswert? Was ist bei der Einreise zu beachten? Wann und wie oft muss ich mich testen lassen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Rico im Interview.

 

Hey Rico, wie gehts dir heute? Wie fühlt sich die Welt gerade für dich an?


Hey Toni, heute 4 Tage nach meiner Reise in häuslicher Isolation, aber mit wertvollen Erfahrungen, die ich auf meiner Reise sammeln konnte, fühle ich mich ziemlich gut. Jedoch war mir vor der Reise sehr mulmig: Ich hatte wirklich mit dem Gewissen zu kämpfen, ob es sinnvoll ist auf die Kanaren (Fuerteventura) zu fliegen. Einerseits habe ich mich seit den strengeren Corona Maßnahmen ab Dezember strikt an die Regeln gehalten und hatte kaum persönliche Kontakte, selbst zur Weihnachts- und Neujahrszeit, ausgenommen natürlich die engste Familie.

Andererseits wollte ich aber endlich erfahren, wie es wohl sein wird mit dem Flugzeug nach über einem Jahr wieder zu reisen. Fuerteventura hatte einen Inzidenz Wert von 35 auf 100k Einwohner zum Zeitpunkt meiner Entscheidung. Zudem hatte ich einen geschäftlichen Auftrag: Ich habe bei zwei neue Surfschulen hospitiert und mir Unterkünfte angesehen, so dass studisurf demnächst auch wieder Fuerteventura mit kompetenten Partnern auf qualitativen Niveau anbieten kann. Natürlich habe ich auch die Zeit vor Ort genutzt, um soviel wie möglich zu surfen.

 

Du warst gerade auf Fuerteventura - wie war dein Eindruck vor Ort?


Ich kenne Fuerteventura seit über 10 Jahren und vor allem den Norden mit seinen Städtchen Corralejo, Cotillo, Lajares sowie die Surfspots sehr gut. In meinem Flieger saßen 22 Leute und alle waren getestet, Im Flugzeug saßen Rentner, junge Familien mit Kindern, Digital Nomads und Menschen wie ich, die zum Surfen nach Fuerteventura gereist sind.
Allerdings war es erschreckend zu sehen, wie leer der Flughafen bei der Ankunft war, all die geschlossenen Geschäfte (also wirklich ausgeräumten, nicht temporäre Schließung aufgrund von Corona) in den Straßen Corralejos und die angespannten Gesichter aller im Tourismus schaffenden Leuten.

Es ist keineswegs gespenstig leer, eigentlich eine sehr angenehme Atmosphäre vor Ort, da nichts überlaufen ist. Viele Surfschulen hatten an den Spots sogar Schüler im Unterricht, jedoch war nie ein Spot völlig überlaufen (außer Los Lobos an einem richtig guten Tag ;-)

Auf den Straßen, in den Geschäften und Supermärkten herrscht Abstands- und Maskenpflicht und die Spanier als auch die Touristen sind sehr diszipliniert. Fast alle Einheimischen tragen FFP2 Masken, so wie ich es natürlich auch tat. Du kannst draußen an der frischen Luft in Cafés einen leckeren Kaffee trinken und abends in der Tapas Bar draußen essen. Das Leben dort läuft weitaus normaler wieder ab als bei uns, noch dazu scheint die Sonne und du kannst surfen gehen :-)

 

Was spricht deiner Empfindung nach gerade für eine Reise innerhalb Europas?


Der Tourismus und die Gastronomie wird in Europa noch stärker vom Staat hängen gelassen als bei uns hier in Deutschland (bis auf die großen Unternehmen wie Lufthansa/TUI, etc.) Alle Menschen wollen, sobald es sicher ist, wieder reisen, aber bald wird es auch in den europäischen Destinationen nicht mehr viele ‘Überlebende’ geben. Dann wird Reisen sehr teuer werden und exklusiv, das gilt es zu vermeiden.

 

Was würdest du Surfern raten, die gerade viel Zeit und die Möglichkeit haben, ihren Alltag mitzunehmen und eine längere Zeit am Reiseziel zu bleiben? Die Reise antreten?


Ich finde es auch völlig in Ordnung, wenn jemand sowieso nur am PC arbeitet oder studiert. Wieso soll er sein Zimmer in Deutschland nicht untervermieten und in den Süden für 1,2 oder auch 3 Monate unter Beachtung aller Corona Schutzmaßnahmen temporär auswandern?
Sie unterstützen den Tourismus und halten sich sportlich fit. Wenn ich vor Ort dazu noch weniger Kontakte habe als zu Hause, weil ich in Deutschland vielleicht in einem Mietshaus mit vielen Bewohnern einer Großstadt wohne und tagtäglich die U-Bahn nutzen muss für den Einkauf, etc.?

Es ist jedoch eine Ermessenssache, die wirklich jeder für sich individuell abwägen und entscheiden sollte! Nur um Spaß zu haben ist sicher nicht der vernünftigste Grund!

 

Wie ist das Einreiseprozedere? Wann muss ich mich wo testen lassen und kosten die Tests? Muss ich bei Ein- oder Ausreise in Quarantäne? Welche Dokumente brauche ich zur Einreise?


Vor der Einreise muss man einen PCR Test absolvieren (maximal 72h vor Einreise). Das Testergebnis dauert maximal 24h und muss auf Englisch ausgewiesen sein. Zudem muss ein Formular für die Einreise bei dem spanischen Gesundheitsamt ausgefüllt und mitgeführt werden.

Dieses Prozedere gilt für die Einreise mit dem Flugzeug nach Spanien inkl. der Kanaren. Natürlich muss man die verschiedenen Reisebestimmungen auf der Seite des Auswärtigen Amtes für jedes Land/Region genau studieren (Österreich hat nämlich derzeit eine 10 tägige Quarantänepflicht für Einreisende auch bei negativem Testergebnis!).

Vor der Rückreise kann man einen Test vor Ort machen (maximal 48h vor dem Rückflug), den ich auch problemlos in Corralejo für 40€ absolvieren konnte. Spätestens 48h nach der Rückreise nach Deutschland muss man sich hier vor Ort testen lassen. Je nach Bundesland muss man dann für 0-10 Tage in Quarantäne, da gibt es ja wieder ganz unterschiedliche Bestimmungen gemäß unserer Landesfürsten.

 

Was sollte ich im Falle einer Reise auf jeden Fall beachten?

 

Ich würde mir vor Ort schon eine Einzelunterkunft nehmen und nicht ein Mehrbettzimmer. Es sei denn ich reise mit PartnerIn oder Freund/Freundin. Alles wird wie üblich angeboten mit entsprechenden Hygiene Konzepten. Ich würde aber immer Unterkünfte wählen, in denen im gesamten Komplex nicht zu viele Menschen untergebracht sind.
Ich hatte einen eigenen Mietwagen und habe mich vor Ort kaum mit Menschen getroffen, wenn es nicht nötig war so wie hier in Deutschland eben auch. Zudem macht es Sinn für mindestens 2 Wochen zu reisen und vor Ort nicht ständig unterwegs zu sein. Ausreichend FFP2 Masken, Desinfektionsgel und einen Auslandskrankenschutz sehe ich als selbstverständlich an.. Es ist natürlich auch wichtig sich über die lokalen Medien zu informieren, welche aktuellen Sicherheitsvorkehrungen zu beachten sind (findet man aber auch auf der Seite des ADAC sehr detailliert).

 

Wie kann ich den Tourismus auf den Kanaren unterstützen, ohne mich und andere in Infektionsgefahr zu bringen? Hast du Geheimtipps für Orte, die man auf jeden Fall besuchen und unterstützen sollte?

 

Ich habe keine direkten Geheimtipps, aber ich habe in Fuerteventura immer zunächst geschaut, ob ein Café oder Restaurant mit vielen Menschen besetzt war oder nicht. Dieses Mal habe ich sogar Souvenirs für meine Familie in einem kleinen Laden gekauft, was ich sonst nie mache, sondern lieber eine Muschel oder etwas Sand vom Strand mitbringe. ;-) Ich hatte mein eigenes Brett dabei, würde mir aber bei einem weiteren Aufenthalt ausnahmsweise auch mal Bretter leihen um die örtlichen Shops oder Schulen zu unterstützen.

 

Hiermit hast du hoffentlich Antworten auf alles, was du dich bestimmt schon gefragt hast. Wie schon gesagt ist das Reisen in Coronazeiten eine sehr individuelle Entscheidung, bei der du pro und contra für dich selbst abwägen musst. In einer Sache sind wir uns aber sicher: den Surftourismus etwas zu supporten schadet nicht. Das kannst du übrigens auch in Form von Gutscheinen für deinen nächsten Surftrip oder indem du Werbung für Surfanbieter und kleine Unternehmen machst, die dir am Herzen liegen. Noch Fragen? Schreib’ uns gern!

 

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